"Neuer Wein in neue Schläuche"
Eine Vision zieht Kreise —
Von Walter Wieland.

"Neuer Wein in neue Schläuche": Macht es nicht alles viel einfacher? Neue Inhalte in neue Formen, neue Gruppen und Gemeinden in neue Strukturen. Und das alles unter dem Dach der Landeskirche. Weshalb eigentlich nicht?

Jesus als Vorbild

Jesus ist vor 2000 Jahren diesen Weg gegangen: Er lebte innerhalb der jüdischen Synagoge. Aber sein Jüngerkreis war gleichzeitig die Urform der eigenständigen, charismatischen Gemeinschaft. Darauf ausgerichtet, dem Reich Gottes Raum zu geben. Eine neue kirchliche Institution aufzubauen war für sie kein Ziel. Die Jüngergemeinschaft sollte mobil und dynamisch bleiben, geleitet von einer "Adhocratie". Ihre Gottesdienste fanden auf Marktplätzen, an Seeufern, auf freiem Feld statt. Ihre Anhängerschaft gehörte nach wie vor zur "Landeskirche", bezahlte die Kirchensteuer und hielt sich an die geltende Ordnung.

Potential für das Wachsen des Reiches Gottes

Die Vision von neuen, eigenständigen Gemeinden, die sich aus kleinen Gebetsgruppen, Jugendgruppen, Jüngerschaftskreisen usw. aus traditionellen landeskirchlichen Strukturen heraus entwickeln, hat heute das Potential, Raum zu schaffen für "neuen Wein in neue Schläuche" (Lukas 5, 37f). Die Vision richtet sich an all jene - vorab im Einflussbereich der Landeskirchen - die der Sehnsucht nach dem Gestaltwerden des Reiches Gottes Ausdruck verleihen möchten. Auf diese Weise erhalten Gruppen innerhalb von Kirchgemeinden den benötigten Freiraum und die Unterstützung, um wachsen und sich entwickeln zu können. Das Reich Gottes erhält dadurch mehr Raum und neue Menschen finden Heimat in einer christlichen Gemeinde.

Brücken bauen zu unerreichten Menschen

Die Neuland-Gemeinden sind in den letzten Jahren entstandene Modelle neuer Gemeindeformen für Mitglieder von Kirchgemeinden, die keinen Gottesdienst besuchen, in keiner Kleingruppe beheimatet sind und deren Christsein ohne Bedeutung bleibt für ihren Alltag. Weil heute so wenige gerade junge Menschen den Zugang zur Kraft des Evangeliums von Jesus finden, sind Brückenbauer nötig, die mithelfen, die gute Botschaft von Jesus "allem Volk in Kirche und Welt" (Art. 2 der bernischen Kirchenverfassung) nahe zu bringen.

Versöhnte Haltung gegenüber traditionellen Gemeinden

Als landeskirchliche Gemeinschaften, wie sie im Kanton Bern seit 170 Jahren Tradition haben, bemühen sich Neuland-Gruppen um eine versöhnte und unterstützende Haltung den Kirchgemeinden wie auch anderen christlichen Gruppen und Gemeinden gegenüber. An den meisten Orten dürfen wir regelmässig Räume der Kirchgemeinden benutzen.

Neue Gemeinden brauchen das Fundament und die Rückendeckung bestehender Gemeinden. Was nicht neuer Wein ist, gehört deshalb noch lange nicht zum alten Eisen! Beide brauchen einander und sind notwendig, damit das Volk Gottes gesammelt und der Leib Christi aufgebaut werden kann.


wo chiemte mer hi
wenn alli seite
wo chiemte mer hi
und niemer giengti
für einisch z'luege
wohi dass me chiem
we me gieng.
Kurt Marti